Paradox
Guten Abend
Es wird mir sehr oft vorgeworfen, wie paradox ich doch oft argumentiere.
Das ich aber heute jüngste Gericht Stimmung aufrufen lasse und Morgen predige, wie schön doch alles ist und wir uns nur umschauen müssten, liegt aber eher am täglichen Stimmungs und Wesenwandel meinerseits.
Es gab einen berühmten Philosophen, der sagte „Alles was sich widerspricht, widerspricht sich letztlich nicht“ Dabei ist doch alles voll mit Widersprüchen in der Gesellschaft!
Wenn ich an einer Party die Leute frage, was sie denn gerne hören und als Antwort bekomme: „Eigentlich alles, bin da nicht so festgelegt.“
Aber ich dann blöd angeguckt werde wenn ich Songs auflege, die sie nicht kennen.
Oder wenn eine Frau Gaga durch Charade so sehr vermittelt, anders zu sein um damit dem Mainstream entfliehen zu wollen und genau diesen anzieht.
Oder wenn ein Familienvater nach dreissig Jahren Arbeit, Ehe und Kinder in seiner Idylle Selbstmord begeht.
Oder wenn Christen auf der Strasse, mit der Bibel in der Hand, Leute werben dürfen und ich als Blasphemiker bezeichnet werde wenn ich offen zu meinem Glauben stehe und eine Fischstäbchen-Kartonschachtel anbete.
Nein in Ordnung ist, was das Gesetz als richtig ansieht und es legitim erscheint.
Richtig und Falsch ist klar vorgegeben und die Kinder werden danach erzogen um perfekt in die Gesellschaft hineinzupassen.
Sich selber Gedanken machen, was für einen selbst als Richtig und Falsch erscheint, braucht man nicht. Wozu unnötig seine Gehirnzellen für solche Spinnereien anstrengen?
Die Moral ist tot, das Gesetz und die Norm lebt.
Und Regeln gibt es ja genug.
Regeln fürs Essen
Regeln fürs Gehen
Regeln fürs Leben.
Und alles was gemacht wird,was in diesen riesigen Schmökern als unredlich erachtet wird, hat Konsequenzen.
Das hat immerhin den Vorteil falls ich mal in Rage, genug von diesen dicken Büchern habe und es jemandem anwerfe, selber nachschlagen kann, was für eine Strafe mir blüht.
Die Konsequenz dieser ganzen Angelegenheit ist die Abhärtung. Ich wäre sicherlich weniger schockiert als früher wenn ich von einer Vergewaltigung lese, da man jeden Tag davon liest und es halt einfach passiert. Und dank den ganzen Widersprüchen weniger schockiert wenn der Täter dem Opfer vorher noch eine Niere aus gutem Willen gespendet hätte, weil er sonst ja kein schlechter Mensch ist.
Dabei kommt mir einfach die Frage auf, ob wir zu faul sind zum Denken oder Angst davon haben, weil es depressiv macht, wenn sich die Gedanken zu sehr im Kreis drehen.
Oder ob einfach die Dinge, welche von Bedeutung, zu unterschiedlich verteilt sind.
Wenn jemand alle Lost-Folgen auswendig aufzählen kann, aber bei einer Diskussion fragen muss „Was ist denn ein Minarett?“ bin ich mir nicht sicher, wie es mit der Zukunft steht.
Es dankt fürs Lesen, Kapitän Auven
Hmm… da schreibst du wieder viel Interessantes! Regeln, oder besser Normen, sind ja an sich nichts schlechtes. Stell dir vor, es gäbe keine Benimmregeln, und du müsstest aber auf Teufel komm raus einen guten Eindruck hinterlassen. Zum Beispiel bei einem Bewerbungsgespräch. Das wäre das totale Chaos, weil du nie wissen könntest, wie dein Gegenüber auf dein Verhalten reagiert.
So aber hast du immer die Sicherheit, im Zweifelsfall kein Aufsehen zu erregen, weil du den “Kodex” kennst. Und gerade weil du ihn kennst, kannst du auch immer wählen, dich nicht nach ihm zu richten, ihn zu übertreten. Außerdem weißt du ja, wie selbst geschrieben, was darauf folgen wird.
Du hast also alle Möglichkeiten offen. Und eine Wahl ist immer besser als keine Wahl, oder?
Wegen dem Paradoxen und dem Denken hast du aber Recht… Wir leben ja sowieso in einer interessanten Zeit, wo gerne Denkarbeit an den Computer ausgelagert wird, also im Prinzip der Mensch eine neue Entwicklungsstufe erreicht. Wir haben bisher im Werkzeuge geschaffen, die uns Arbeiten abnehmen, und sind, also Folge, ziemlich verweichlicht und verkümmert. Nun haben wir das erste Mal einen Krückstock, der das Denken ersetzt… Im Prinzip sind wir also dabei, unsere einzige Waffe, unseren Verstand, zu einem Attavismus zu machen. Denn selig ist der Schlaf des Nichtwissenden. Wozu sich mit Fragen wie dem Sinn des Lebens oder der Vergänglichkeit des Seins die Leber zu zerstören, wenn man das einem PC überlassen kann…?
Naja, das müssen wir beide aber sicherlich nicht mehr erleben, insofern: Prost Auven. :-/
Würde es keine Benimmregeln geben müsste ich doch einfach agieren, wie ich es für richtig halte. Ergo würde ich mich kein bisschen verstellen, was ich aber tue wenn ich mich Gesetzen und Normen anpasse, die ich vielleicht aber selber nicht als richtig ansehe. Und aufsehen erregen kann auch positiv sein.
Die freie Wahl wie ich handle habe ich und die Konsequenzen unterscheiden sich danach.
Aber wer weiss, was wir noch alles erleben werden.
Irgendwie freue ich mich doch auf das Unbekannte, sei es nur wegen meinem Wissensdurst. Andererseits sind so viele schreckliche Szenarien möglich, die ich mir jetzt gar nicht ausdenken möchte….
Prost auf den Überwachungswahn und die Freiheitseinschränkung : /!
Mir erscheint Alles sehr echt, was du schreibst! Leider bedauere ich dass es so wenig Menschen in meinem Umfeld gibt, welche sich auch über die Funktionsweise unserer Gesellschaft Gedanken machen. Die meisten folgen einfach nur Kopflos einer Autorität oder einer Haupt-Strömung, welche ihr etwas verspricht. Leider müssen wir einsehen, dass unsere Freiheit da zu Ende war, als wir als Kinder das erste Mal zur Schule mussten. Subtiler Sozialdarwinismus wirkte ab diesem Punkt auf die Gesellschaft, ohne dass diese es je bemerken wird, und wenn es einige Leute bemerken, dann hat dies ja keinen Einfluss, wir leben ja schliesslich in einer Demokratur.
Wir wurden entmündigt, vergewaltigt. Das Kapital regiert im Endeffekt die Welt, die Politiker und Reichen schreiben Geschichte und alle schauen zu und merken davon nichts, sie fühlen sich als meinungsfreie Bürger in einem demokratischen Rechtsstaat.
Sie verwirrten uns, machten uns schizophren. Es heisst Streben oder Leben, wobei das Streben uns täglich von Werbung, Schule, Vorgesetzten und Politikern als Leben eingehämmert wird.
Es ist traurig aber wahr, ich persönlich sehe auch die Möglichkeit nicht, dem gewinnorientierten Kapitalismus denn Garaus zu machen, weil dieser praktisch unknackbar geworden ist, weil die Menschheit psychisch abhängig davon geworden ist.
In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Abend. Ich muss in dieser Welt leben, aber mein Reichtum besteht darin, die Realität anders zu verarbeiten als eine gelenkte Mehrheit von Menschen. Dass nenne ich Leben
Liebe Grüsse aus dem reichen Zürich